Modelle

Die besten Crowdfunding Plattformen 2026 im Vergleich

Dutzende deutsche und europäische Crowdfunding-Plattformen werben 2026 um Anleger: Nachrangdarlehen für Immobilienprojekte, besicherte Unternehmenskredite, Konsumkreditportfolios. Dieser Vergleich ordnet zwölf etablierte Anbieter nach Modell, Rendite und Regulierung ein, inklusive eines Falls, in dem eine ganze Plattform 2026 den Betrieb einstellte.

Top 3 Crowdfunding Plattformen nach Anlageziel

Wer nach der “besten” Plattform sucht, stellt die falsche Frage: Ein Immobilienprojekt in Tallinn, ein besicherter KMU-Kredit in der Schweiz und ein Konsumkreditportfolio in Finnland folgen unterschiedlichen Logiken. Sinnvoller ist die Auswahl nach Anlageziel.

Für Immobilieninvestments eignet sich EstateGuru: besicherte Bau- und Überbrückungskredite mit Grundpfandrecht, ECSP-lizenziert, mit über 926 Millionen Euro finanziertem Volumen die größte Plattform dieses Segments. Bergfürst bietet als Alternative grundbuchlich besicherte Bankdarlehen bereits ab 10 Euro Einstieg. Für Unternehmenskredite sticht Maclear heraus: Die Schweizer Plattform finanziert ausschließlich besicherte, kurzlaufende KMU-Kredite und weist eine für das Segment ungewöhnlich niedrige, öffentlich einsehbare Ausfallzahl aus.

Für Konsumkredite bleibt Bondora mit dem Produkt Go & Grow der Referenzpunkt: ein gepooltes Portfolio aus Konsumkrediten mehrerer Länder, tägliche Verfügbarkeit versprochen, allerdings mit dokumentierten Verzögerungen in Stressphasen wie 2020. Wer ein breiter diversifiziertes Portfolio über mehrere Kreditgeber und Länder sucht, findet bei Mintos die größere Auswahl.

Crowdinvesting, Crowdlending, P2P: Drei Modelle, ein Sammelbegriff

“Crowdfunding” ist im deutschsprachigen Raum zum Sammelbegriff für drei technisch unterschiedliche Produkte geworden. Die Unterscheidung ist keine gesetzliche Kategorie, sondern eine in der Fachpresse etablierte Praxis, die aber für die Risikobewertung entscheidend bleibt.

Crowdinvesting bezeichnet die projektbezogene Finanzierung einzelner Immobilien- oder Unternehmensvorhaben, meist über Nachrangdarlehen oder Genussrechte. Anleger wählen jedes Projekt einzeln aus, das Kapital ist an dessen Laufzeit gebunden; Exporo, Bergfürst, dagobertinvest und bettervest arbeiten aktiv nach diesem Modell, Zinsbaustein mit neuem Geschäft inzwischen über die Schwesterplattform WIWIN, Rendity nur noch für bestehende, auslaufende Positionen (siehe unten). Crowdlending meint dagegen kreditbasierte Finanzierung, bei der Anleger fortlaufend in mehrere gleichzeitig laufende, oft besicherte Darlehen investieren können, etwa an Unternehmen oder Immobilienentwickler, ein Modell, dem EstateGuru und Maclear folgen.

P2P-Kredite bündeln meist kleinteilige Konsumentenkredite über automatisierte Anlageprodukte, oft mit Liquiditätsversprechen. Mintos und Bondora sind die bekanntesten Vertreter dieses Modells im deutschsprachigen Raum. Manche Anbieter passen dabei nicht sauber in eine Schublade. Companisto etwa kombiniert klassische Equity-Beteiligungen mit fest verzinsten Venture Loans und liegt damit an der Grenze zwischen Crowdinvesting und Crowdlending.

Worauf es beim Plattformvergleich ankommt

Sieben Kriterien bestimmen, ob eine Plattform zu einem Anlageziel passt.

  • Regulierung: BaFin-Prospektbefreiung, ECSP-Lizenz, nationale Wertpapierfirmenlizenz (wie bei Mintos) oder ein Modell außerhalb der EU wie bei Maclear
  • Besicherung: Grundpfandrecht, Bürgschaft oder ungesichertes Nachrangdarlehen
  • Mindestanlage: von 1 Euro (Bondora) bis 500 Euro (Zinsbaustein, historisch, siehe WIWIN-Hinweis unten) je Plattform sehr unterschiedlich
  • Laufzeit: von täglich verfügbaren P2P-Produkten bis zu mehrjährigen Immobilienprojekten
  • Zweitmarkt: ob und zu welchen Kosten eine vorzeitige Veräußerung möglich ist
  • Historische Ausfallquote: sofern die Plattform sie überhaupt veröffentlicht
  • Track Record der Plattform selbst: wie viele Jahre am Markt, wie viele abgewickelte Projekte

Keines dieser Kriterien ersetzt die Prüfung des jeweiligen Einzelprojekts. Eine Plattform mit sauberer Regulierung finanziert trotzdem einzelne Projekte, die scheitern können.

Der Track Record der Plattform selbst verdient dabei mehr Aufmerksamkeit, als ihm meist zuteilwird. Rendity war seit 2015 als Wiener GmbH im Immobilien-Crowdinvesting aktiv und finanzierte nach eigenen Angaben mehr als 220 Projekte, bevor der Zinsanstieg das Geschäftsmodell 2026 in die Liquidation trieb (Details unten). Ein langjähriger Track Record senkt das Ausfallrisiko einzelner Projekte tendenziell, schützt aber nicht vor einem Geschäftsmodell, das auf ein bestimmtes Zinsumfeld angewiesen ist.

Die 12 wichtigsten Crowdfunding Plattformen im Vergleich

Plattform

Land

Seit

Modell

Fokus

Mindestanlage

Zielrendite*

Exporo

DE (Hamburg)

2014

Crowdinvesting

Neubau & Bestandsimmobilien

500 €

4–6 % p. a.

Bergfürst

DE (Berlin)

2011

Crowdinvesting

Besicherte Immobiliendarlehen

10 €

5–7 % p. a.

Zinsbaustein

DE (Berlin)

2016

Crowdinvesting (Neugeschäft seit 2026 über WIWIN)

Kuratierte Immobilienprojekte

500 € (historisch)

5,25–8 % p. a. (historisch)

dagobertinvest

AT (Wien)

2015

Crowdinvesting

Immobilien AT/DE

250 €

4–7 % p. a.

Companisto

DE (Berlin)

2012

Equity & Venture Loans

Start-ups DACH

250 €

~8 % (Venture Loans)

Invesdor

FI/AT/DE-Gruppe

2012

Investment-based (ECSP)

KMU europaweit

250 €

variiert je Projekt

Mintos

LV (Riga)

2015

P2P/Crowdlending (lettische Wertpapierfirma)

Konsum- & Unternehmenskredite

50 €

6–11 % p. a.

Bondora

EE

2009

P2P (Go & Grow)

Konsumkredite

1 €

~6 % p. a.

EstateGuru

EE (Tallinn)

2014

Crowdlending (ECSP)

Besicherte Bau-/Überbrückungskredite

50 €

9–11 % p. a.

Maclear

CH (Wallisellen)

2020

Crowdlending

Besicherte KMU-Kredite

50 €

14–16 % p. a.

Rendity

AT (Wien)

2015

Crowdinvesting (seit Feb. 2026 in Liquidation)

Immobilien AT/DE

keine Neuanlagen

bettervest

DE (Frankfurt)

2012

Crowdinvesting

Energieeffizienz & erneuerbare Energien

50 €

5–7 % p. a.

*Zielrenditen sind projektabhängige Richtwerte der Anbieter, keine garantierten oder historisch durchschnittlichen Renditen. Rendity nimmt seit 2024 keine Neuanlagen mehr an und ist seit 19. Februar 2026 offiziell in Liquidation; die Zeile dient hier nur zur Einordnung. Als aktives Investitionsangebot ist sie nicht gedacht.

Exporo: Marktführer mit dokumentierten Projektausfällen

Mit rund 61 Prozent Marktanteil war Exporo 2017 nach eigenen Angaben die größte deutsche Immobilien-Crowdinvesting-Plattform. Das seit 2014 aktive Hamburger Unternehmen ist als AG selbst nicht insolvent, die Bilanz einzelner Projekte fällt allerdings gemischt aus. Eine 2025 veröffentlichte, aber nicht unabhängig geprüfte Auswertung von 38 abgeschlossenen Bestandsimmobilien-Fundings kam zu dem Ergebnis, dass keines davon seine geplante Rendite erreichte, mit Abweichungen von mehreren Prozentpunkten nach unten; diese Zahl ließ sich bei Exporo selbst nicht direkt verifizieren. Sie taugt als Anhaltspunkt für die Recherche, eine geprüfte Statistik ist sie damit nicht.

Mehrere Projektgesellschaften meldeten in den vergangenen Jahren Insolvenz an, zuletzt “Arbeiten am Limespark” im März 2025. Neben klassischen Nachrangdarlehen bietet Exporo über seinen “Handelsplatz” tokenisierte, blockchainbasierte Immobilienanleihen mit Sekundärmarkt an, ein für den deutschen Markt frühes Digitalisierungsprodukt. Das Unternehmen expandierte zudem in die Niederlande und nach Frankreich, ein für dieses sonst stark national geprägte Marktsegment ungewöhnlicher Schritt.

Bergfürst: Besicherte Bankdarlehen als Anlageprodukt

Bergfürst unterscheidet sich strukturell von den meisten Wettbewerbern. Die 2011 gegründete Berliner AG bietet keine eigenen Nachrangdarlehen, sondern grundbuchlich besicherte Bankdarlehen als Anlageprodukt an, ausgereicht über eine Partnerbank und an Investoren weitergegeben. Der Einstieg gelingt bereits ab 10 Euro.

Ein aktiver Zweitmarkt erlaubt den Verkauf laufender Positionen vor Fälligkeit; laut aktuellem Preis- und Leistungsverzeichnis fällt dafür eine Gebühr von 10 Euro pro Kauf oder Verkauf an, während die Erstzeichnung für Privatanleger gebührenfrei bleibt. Wie andere Nachrangdarlehen-nahe Angebote orientiert sich Bergfürst an den Vorgaben des Kleinanlegerschutzgesetzes zur Risikoaufklärung von Privatanlegern. Diese Kombination aus niedriger Einstiegshürde und Grundbuchsicherung macht Bergfürst zu einer der konservativer positionierten Immobilienplattformen im Vergleich, auch wenn eine Grundbuchsicherung Wertverluste bei fallenden Immobilienpreisen nicht ausschließt.

Zinsbaustein: Kuratierte Projekte, Neugeschäft seit 2026 über WIWIN

Hinter Zinsbaustein, 2016 in Berlin gegründet, stehen die sontowski & partner group als Immobilienpartner und der Company Builder FinLeap. Die Plattform positionierte sich bewusst über Selektion: Nach eigenen früheren Angaben schaffte es nur ein kleiner Teil geprüfter Projekte auf die Plattform, viele davon in einer Phase, in der Baugenehmigung oder Vorvermietung bereits vorlag.

Seit Januar 2026 wickelt Zinsbaustein neues Projektgeschäft über die Schwesterplattform WIWIN ab; die auf zinsbaustein.de beschriebenen Konditionen (Mindestanlage 500 Euro, Verzinsung meist zwischen 5,25 und 6,5 Prozent, vereinzelte Projekte bis 9,5 Prozent, Club-Deal-Varianten ab 25.000 Euro) sind daher als historische Werte zu lesen. Ein aktuell laufendes Angebot auf der ursprünglichen Marke bilden sie nicht mehr ab. Wer heute investieren will, sollte die aktuellen Bedingungen direkt bei WIWIN prüfen. Wie bei anderen Nachrangdarlehen-Plattformen hing die tatsächliche Rückzahlung am wirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Bauprojekts.

dagobertinvest: Österreichs Marktführer mit veröffentlichter Ausfallquote

dagobertinvest bezeichnet sich selbst als führende Immobilien-Crowdinvesting-Plattform Österreichs. Die Wiener GmbH finanziert seit 2015 überwiegend österreichische, teils auch deutsche und Schweizer Projekte über qualifizierte Nachrangdarlehen ab 250 Euro.

Bemerkenswert ist die Transparenz. Die Plattform veröffentlicht eine historische Ausfallquote von rund 0,5 Prozent über mehr als 112 Millionen Euro vermitteltes Kapital in rund 250 Projekten, eine der wenigen konkret bezifferten Kennzahlen in diesem Marktsegment. Für deutsche Anleger fungiert dagobertinvest über eine Finanzanlagenvermittler-Zulassung, während das österreichische Angebot direkt als Nachrangdarlehen strukturiert ist.

Companisto: Vom reinen Equity-Modell zum Mischangebot

Companisto startete 2012 in Berlin als reine Plattform für Startup-Beteiligungen und hat sein Angebot seither erweitert. Direkte Startup-Investments bringen Anlegern laut Unternehmensangaben eine geringe Basisverzinsung von rund 1 Prozent plus Beteiligung an Gewinn oder Exit-Erlös, bei einer Erfolgsprovision von 15 Prozent auf realisierte Gewinne. Ergänzend bietet die Plattform seit einiger Zeit Venture Loans mit fest kalkulierten rund 8 Prozent Zins über drei bis vier Jahre Laufzeit, eine Antwort auf die Nachfrage nach planbareren Renditen im Startup-Segment. Von den eingereichten Bewerbungen schaffen es nach Unternehmensangaben nur etwa 1 Prozent auf die Plattform; das Unternehmen selbst gibt zudem über 171.000 registrierte Anleger und mehr als 261 Millionen Euro investiertes Kapital in 379 Finanzierungsrunden seit Gründung an, davon rund 184 Millionen Euro aktuell noch laufend.

Invesdor: Konsolidierung dreier Plattformen zu einem EU-Anbieter

Invesdor entstand 2012 in Helsinki und ist heute Teil einer über Fusionen gewachsenen Unternehmensgruppe: Der Zusammenschluss mit dem niederländischen Oneplanetcrowd wurde 2022 angekündigt, seit Januar 2023 verfügt die Gruppe über eine ECSP-Lizenz der österreichischen FMA und darf damit grenzüberschreitend in der gesamten EU Kapital vermitteln, ohne für jedes Land eine separate Zulassung zu benötigen. Investoren zeichnen ab 250 Euro Eigenkapital, Anleihen oder Genussrechte an europäischen KMU und Wachstumsunternehmen. Die Konsolidierung mehrerer nationaler Plattformen zu einem einzigen lizenzierten Anbieter zeigt exemplarisch, wie die ECSP-Verordnung die vorher fragmentierte europäische Crowdfunding-Landschaft neu ordnet.

Mintos: Vom Marktplatz zur lizenzierten Wertpapierfirma

Ursprünglich funktionierte Mintos als reiner Marktplatz, auf dem Kreditgeber Forderungen an Privatanleger weiterverkauften; das Unternehmen wurde 2015 in Riga gegründet. Im August 2021 erhielt es von der lettischen Finanzaufsicht FCMC eine Lizenz als Wertpapierfirma, keine ECSP-Zulassung, und stellte sein Angebot auf regulierte Finanzinstrumente um.

“Notes” bilden Kreditforderungen seither als handelbare Wertpapiere ab, das Produkt “Smart Cash” richtet sich an Anleger, die tagesgeldähnliche Liquidität suchen. Diese Umstellung war eine direkte Reaktion auf europäische Verbraucherschutzdiskussionen rund um unregulierte Kreditmarktplätze und hat Mintos näher an klassische Wertpapierdienstleister herangeführt als die meisten Wettbewerber im P2P-Segment. Je nach Kreditgeber und Ursprungsland liegen die Renditen zwischen 6 und 11 Prozent; die Plattform kündigte zudem eine Erweiterung um ETFs, Anleihen und Immobilieninvestments an.

Bondora: Go & Grow und das Liquiditätsversprechen im Stresstest

Bondora ist die älteste Plattform in diesem Vergleich: Als isePankur 2009 in Estland gegründet, firmiert das Unternehmen seit 2014 unter dem heutigen Namen. Das Flaggschiffprodukt Go & Grow bündelt Konsumkredite aus mehreren europäischen Ländern zu einem automatisch verwalteten Portfolio mit einer Zielrendite von etwa 6 Prozent und einem Einstieg bereits ab 1 Euro. Die Plattform bewirbt tägliche Verfügbarkeit der Einlagen. In der Praxis hat sich dieses Versprechen bereits einmal als nicht uneingeschränkt belastbar erwiesen: Während der Marktturbulenzen 2020 waren nicht alle Auszahlungswünsche sofort bedienbar, Bondora wickelte Rückzahlungen zeitweise nur anteilig ab. Steuerlich meldet Bondora Erträge nicht automatisch an deutsche Finanzämter, Anleger müssen Zinserträge selbst deklarieren.

EstateGuru: Größter Anbieter für besicherte Immobilienkredite

Über 926 Millionen Euro finanziertes Volumen und mehr als 156.000 registrierte Investoren, Stand Anfang 2026, machen EstateGuru nach eigenen Angaben zum nach Volumen größten Anbieter für grundpfandrechtlich besicherte Immobilienkredite in Europa. Gegründet wurde die Plattform 2014 in Tallinn, das Geschäft erstreckt sich heute über acht Länder mit Estland als größtem Einzelmarkt.

Das Portfolio teilt sich in etwa gleiche Anteile aus Bauträgerkrediten, Überbrückungskrediten und Unternehmenskrediten, jeweils mit Grundpfandrecht besichert. EstateGuru operiert unter einer ECSP-Lizenz und damit unter demselben europäischen Regelwerk wie Invesdor, allerdings mit deutlich niedrigerer Mindestanlage von 50 Euro pro Kredit. Auch EstateGuru bleibt von Ausfällen nicht verschont: Das deutsche Kreditportfolio ist nach eigenen Angaben seit Ende 2022 inaktiv und läuft vollständig über Rückgewinnungsverfahren. Anleger, die Wert auf Streuung über viele Einzelkredite legen, finden im Modell trotzdem eine Struktur, die genau darauf ausgelegt ist.

Maclear: Schweizer Nischenanbieter für besicherte KMU-Kredite

Ausschließlich besicherte, kurzlaufende Kredite an europäische kleine und mittlere Unternehmen, keine Konsumentenkredite: Damit grenzt sich Maclear von einem Großteil der P2P-Branche ab. Die 2020 in Wallisellen bei Zürich gegründete Plattform unterliegt als Schweizer Anbieter nicht der EU-ECSP-Verordnung. Zuständig ist die Schweizer Geldwäschereigesetzgebung; Maclear ist Mitglied der von der FINMA anerkannten Selbstregulierungsorganisation PolyReg. Diese Mitgliedschaft deckt die Geldwäscherei-Sorgfaltspflichten ab, ist aber keine laufende FINMA-Aufsicht über Maclears Geschäftstätigkeit oder Finanzlage im Sinne einer prudenziellen Bankenaufsicht.

Die Mindestanlage liegt bei 50 Euro auf dem Primärmarkt und 30 Euro beim Kauf über den Zweitmarkt, dessen Verkäufergebühr 2,5 Prozent des Verkaufserlöses beträgt. Fest kalkulierte Zinssätze zwischen 14 und 16 Prozent liegen über dem Marktdurchschnitt dieses Vergleichs. Die Plattform weist nach eigenen Angaben bei über 96 Millionen Euro Finanzierungsvolumen bislang einen einzigen dokumentierten Ausfall aus.

Rendity: Wenn eine ganze Plattform den Betrieb einstellt

Rendity, seit 2015 als Wiener GmbH im Immobilien-Crowdinvesting aktiv, nahm ab 2024 keine neuen Projekte mehr an und wurde laut offizieller österreichischer Bekanntmachung am 19. Februar 2026 aufgelöst und in Liquidation gesetzt. Die Plattform bleibt bis mindestens 31. Mai 2026 online, um laufende Rückzahlungen abzuwickeln, nimmt aber keine neuen Einlagen mehr entgegen und sollte nicht als aktive Investitionsoption behandelt werden. Ursache war laut Unternehmen der Zinsanstieg ab 2022: Variabel finanzierte Bauprojekte wurden binnen kurzer Zeit deutlich teurer, während sich der Immobilienabsatz gleichzeitig verlangsamte. Rund 37.000 Anleger hatten zusammen über 157 Millionen Euro in mehr als 220 Immobilienprojekte investiert; für einen Teil davon bedeutete der Ausfall der zugrunde liegenden Projektgesellschaften sechsstellige Verluste bei ihren Nachrangdarlehen. Rendity zeigt, dass Plattformrisiko und Projektrisiko nicht dasselbe sind: Selbst Anleger, die ihr Kapital über viele einzelne Projekte gestreut hatten, blieben dem gemeinsamen Auslöser Zinsniveau ausgesetzt.

bettervest: Crowdinvesting für Energieeffizienz und erneuerbare Energien

bettervest ist der einzige Anbieter in diesem Vergleich außerhalb von Immobilien und klassischen Unternehmenskrediten. Finanziert werden Energieeffizienz- und erneuerbare-Energien-Projekte in Europa und Afrika, etwa Solar- oder Windanlagen, überwiegend über Nachrangdarlehen ab 50 Euro oder Anleihen ab 250 Euro. Die Frankfurter GmbH ist seit 2012 aktiv, der Marktstart erfolgte 2013, seit 2018 kooperiert sie mit der Triodos Bank Deutschland.

Von den bislang finanzierten Projekten wurden nach Unternehmensangaben rund 19 planmäßig abgeschlossen, während 15 in Zahlungsstörungen oder Ausfall gerieten, eine Quote, die bettervest offener kommuniziert als viele Wettbewerber. Die erzielten Renditen bewegten sich historisch meist zwischen 5 und 7 Prozent bei Laufzeiten von 5 bis 8 Jahren.

Deutsche gegen europäische Plattformen: BaFin-Befreiung versus ECSP-Pass

Ein verbreitetes Missverständnis lohnt die Klarstellung. “BaFin-reguliert” bedeutet bei den meisten deutschen Nachrangdarlehen-Plattformen nicht, dass die BaFin die Bonität des Projekts oder die inhaltliche Richtigkeit der Angaben geprüft hat.

Angebote unterhalb einer bestimmten Volumengrenze pro Projekt sind vom Vermögensanlagengesetz von der vollständigen Prospektpflicht befreit, sofern der Anbieter ein maximal dreiseitiges Vermögensanlagen-Informationsblatt bei der BaFin hinterlegt. Die Behörde prüft dabei nur die formale Vollständigkeit, keine inhaltliche Plausibilität. Exporo, Bergfürst und bettervest arbeiten überwiegend nach diesem Modell.

Die ECSP-Verordnung (EU) 2020/1503 verfolgt einen anderen Ansatz: Plattformen wie EstateGuru und Invesdor benötigen eine einzige Lizenz einer nationalen Aufsichtsbehörde, dürfen damit aber ohne weitere Registrierung in der gesamten EU tätig werden. Mintos folgt einem dritten Weg: eine nationale Wertpapierfirmenlizenz nach MiFID II, keine ECSP-Zulassung. Bis zu 5 Millionen Euro darf ein Projekt über 12 rollierende Monate hinweg über alle Plattformen zusammen einwerben, bevor die reguläre Prospektpflicht greift. Maclear fällt als Schweizer Unternehmen unter keines der beiden Regime. Die Plattform unterliegt der Schweizer Geldwäschereiaufsicht über PolyReg, einem Modell, das im Aufbau an eine Selbstregulierung erinnert, aber keinen EU-Pass verleiht und keine prudenzielle Aufsicht wie ECSP oder MiFID II ersetzt.

Renditen und versteckte Kosten

Die in Vergleichstabellen genannten Zielrenditen sind Richtwerte der Emittenten, keine garantierten oder historisch belegten Durchschnittswerte, mit Ausnahme weniger Plattformen wie dagobertinvest, die eine tatsächliche historische Ausfallquote veröffentlichen. Zielrendite, realisierte Rendite, Zahlungsverzug, Ausfall und endgültiger Kapitalverlust sind fünf unterschiedliche Kennzahlen; eine Plattform, die nur die erste veröffentlicht, sagt damit noch nichts über die anderen vier.

Kosten verstecken sich häufig außerhalb der genannten Zinssätze: Zweitmarktgebühren wie Maclears 2,5 Prozent auf Verkaufserlöse oder Bergfürsts 10 Euro pro Transaktion, Erfolgsprovisionen wie Companistos 15 Prozent auf realisierte Gewinne oder implizite Margen, die Plattformen bereits bei Ankauf und Weitergabe von Forderungen einbehalten.

Wer Nettorenditen vergleicht, sollte außerdem Auszahlungsgebühren wie Bondoras 1 Euro pro Abhebung sowie steuerliche Meldepflichten einkalkulieren, die je nach Sitzland der Plattform sehr unterschiedlich ausfallen.

Risiken: Nachrangdarlehen und der Totalausfall

Bei den meisten Immobilien-Crowdinvesting-Angeboten investieren Anleger über Nachrangdarlehen, rechtlich die schlechteste Position im Insolvenzfall. Vorrangige Gläubiger wie Banken werden vollständig bedient, bevor Nachrangkapital überhaupt berücksichtigt wird; in der Praxis endet das oft im Totalverlust, weit über eine bloße Zahlungsverzögerung hinaus. Die vielzitierte, aber nicht unabhängig geprüfte Auswertung von 38 Exporo-Bestandsimmobilien-Projekten und der Fall Rendity zeigen zwei unterschiedliche Ausprägungen desselben Grundrisikos. Bei Exporo blieben einzelne Projekte demnach hinter der Planung zurück, bei Rendity stellte die gesamte Plattform 2026 den Betrieb ein, nachdem der Zinsanstieg seit 2022 zahlreiche gleichzeitig laufende Projekte unter Druck gesetzt hatte.

Genau darin liegt eine Komplikation, die sich mit klassischer Diversifikationsberatung nicht vollständig auflösen lässt. Wer sein Kapital über mehrere Projekte einer Plattform streut, reduziert unsystematisches Einzelprojektrisiko, bleibt aber demselben Marktzins-Auslöser ausgesetzt, der mehrere Projekte gleichzeitig treffen kann.

Eine Streuung über mehrere Plattformen hilft dagegen nur begrenzt, wenn ein sektorweiter Schock wie die Zinswende 2022 mehrere Anbieter im selben Marktsegment zeitgleich unter Druck setzt, wie es bei mehreren deutschen und österreichischen Immobilien-Crowdinvesting-Plattformen im selben Zeitraum der Fall war. Wer dieses Restrisiko nicht tragen will, sollte den Anteil von Nachrangdarlehen am Gesamtportfolio bewusst begrenzen.

Welche Plattform zu welchem Anlageziel passt

Die Auswahl sollte sich am Anlagehorizont und der gewünschten Besicherung orientieren, weniger am höchsten beworbenen Zinssatz. Wer kurzfristig verfügbares Kapital sucht, ist bei P2P-Produkten wie Bondoras Go & Grow oder Mintos Smart Cash grundsätzlich besser aufgehoben als bei mehrjährigen Immobilienprojekten, auch wenn die beworbene Liquidität in Stressphasen nicht garantiert ist. Wer Wert auf Besicherung legt, sollte Plattformen mit Grundpfandrecht wie Bergfürst, EstateGuru oder Maclear gegenüber reinen Nachrangdarlehen-Modellen bevorzugen.

Wer bereit ist, höheres Risiko für höhere Rendite einzugehen, findet bei Companistos Startup-Beteiligungen entsprechende Angebote; diese eignen sich eher als Beimischung denn als Portfoliokern. Die Plattformwahl entbindet dabei kaum von der Prüfung des Einzelprojekts. Wer nach der Rendity-Erfahrung investiert, sollte einkalkulieren, dass Ausfallrisiko sowohl auf Projekt- als auch auf Plattformebene existiert.

Laufzeit und Anlagehorizont sollten dabei zusammenpassen. Kapital, das in absehbarer Zeit wieder verfügbar sein muss, gehört nicht in ein mehrjähriges Immobilienprojekt, selbst wenn ein Zweitmarkt theoretisch einen vorzeitigen Ausstieg erlaubt. Ein solcher Verkauf gelingt nämlich nur, wenn sich ein Käufer findet und akzeptable Konditionen bietet.

Besteuerung von Crowdfunding-Erträgen

Zinserträge aus deutschen und den meisten europäischen Crowdfunding-Plattformen unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, einzuordnen als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Der jährliche Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro für Einzelveranlagte beziehungsweise 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare mindert die steuerpflichtigen Erträge dabei unabhängig vom Sitzland der Plattform. Deutsche Plattformen wie Exporo oder Bergfürst führen die Steuer teilweise direkt ab. Ausländische Anbieter wie Bondora, Mintos oder Maclear tun das in der Regel nicht; Anleger müssen die Erträge dann selbst in der Steuererklärung angeben. Verluste aus Nachrangdarlehen, etwa bei einem Totalausfall wie in Teilen des Rendity-Portfolios, lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen mit anderen Kapitalerträgen verrechnen, allerdings mit gesetzlichen Verlustverrechnungsbeschränkungen. Für eine verbindliche Einordnung des Einzelfalls bleibt der Rat eines Steuerberaters unverzichtbar, insbesondere bei ausländischen Plattformen mit abweichenden Meldepflichten.

FAQ

1. Was ist der Unterschied zwischen Crowdinvesting und Crowdlending? Crowdinvesting finanziert einzelne, klar abgegrenzte Projekte über Nachrangdarlehen oder Beteiligungen, oft mit mehrjähriger Bindung. Crowdlending bezeichnet dagegen fortlaufende Investitionen in wechselnde, meist besicherte Einzelkredite, wie bei EstateGuru oder Maclear, bei denen Anleger laufend neue Kredite auswählen, ohne sich dauerhaft an einem einzigen Projekt zu binden.

2. Wie sicher sind Nachrangdarlehen bei Crowdinvesting-Plattformen? Nachrangdarlehen stehen im Insolvenzfall hinter allen anderen Gläubigern zurück und werden erst bedient, wenn diese vollständig befriedigt sind. Eine vielzitierte, aber nicht unabhängig bestätigte Auswertung von 38 Exporo-Bestandsimmobilien-Projekten fand demnach kein Projekt, das seine Zielrendite erreichte, und bei mehreren Rendity-Projekten kam es zu Totalausfällen. Eine sichere Kategorie sind Nachrangdarlehen grundsätzlich nicht.

3. Ist Rendity noch eine aktive Investitionsmöglichkeit? Nein. Die Gesellschaft ist seit dem 19. Februar 2026 offiziell in Liquidation und nimmt kein neues Kapital mehr an. Wer bereits investiert war, erhält Rückzahlungen ausschließlich davon abhängig, ob die einzelne Projektgesellschaft ihre Verpflichtungen noch erfüllen kann; ein pauschaler Zeitpunkt für die vollständige Auszahlung lässt sich derzeit nicht nennen.

4. Ab welchem Betrag kann ich in Crowdfunding-Plattformen investieren? Das reicht von 1 Euro bei Bondoras Go & Grow bis zu 500 Euro bei den historischen Zinsbaustein-Konditionen (Neugeschäft seit 2026 über WIWIN) oder bei Exporo. Niedrige Mindestanlagen wie bei Bergfürst (10 Euro) oder Maclear und EstateGuru (jeweils 50 Euro) erleichtern die Streuung über mehrere Projekte.

5. Was bedeutet die ECSP-Lizenz konkret für Anleger? Plattformen mit ECSP-Lizenz, etwa EstateGuru oder Invesdor, unterliegen einheitlichen EU-Regeln zu Anlegerschutz, Risikooffenlegung und Bedenkzeit vor Vertragsschluss und dürfen ohne separate Zulassung EU-weit tätig sein. Mintos ist dagegen als nationale Wertpapierfirma nach MiFID II lizenziert, ein eigenständiges Regime mit eigenen, ebenfalls EU-weit anerkannten Anlegerschutzregeln. Keine der beiden Lizenzformen ersetzt eine Bonitätsprüfung des Einzelprojekts, verbessert aber die Vergleichbarkeit gegenüber der nationalen BaFin-Prospektbefreiung.

6. Warum bietet Maclear deutlich höhere Zinsen als deutsche Immobilienplattformen? Maclear finanziert kurzlaufende, besicherte KMU-Kredite außerhalb des EU-Regulierungsrahmens unter Schweizer Geldwäschereiaufsicht über PolyReg, ein anderes Risikoprofil als langlaufende deutsche Immobilien-Nachrangdarlehen. Die höhere Zielrendite von 14 bis 16 Prozent spiegelt vor allem die kürzere Laufzeit und das engere Kreditsegment wider; ein proportional höheres Risiko lässt sich daraus allein nicht ableiten.

7. Muss ich Erträge aus ausländischen Crowdfunding-Plattformen selbst versteuern? Bei den meisten Plattformen außerhalb Deutschlands, etwa Bondora, Mintos oder Maclear, führt der Anbieter keine deutsche Abgeltungsteuer ab. Anleger müssen die Kapitalerträge eigenständig in der Steuererklärung angeben, während einige deutsche Plattformen die Steuer direkt einbehalten.